Am 23. Januar ist es wieder soweit, unser Erzählcafé geht in die nächste Runde. Petra Bräu und ich haben uns diesmal ein ganz besonderes Thema ausgesucht: „Dein Lieblingsort / Kraftort.“ . Es ist unser Herzensprojekt, denn in meiner Beratung höre ich immer wieder, dass Leute über Missverständnisse und das ist meines Erachtens zu einem oft ein Zuhörproblem. Denn heutzutage sind wir ständig kommunizieren, über Chats, E-Mails und Sprachnachrichten, wird das echte Zuhören selten. Oft sind Gespräche oberflächlich oder von Zeitdruck geprägt. Doch es gibt Orte, an denen das anders ist: Orte, an denen Menschen erzählen dürfen, ohne bewertet, unterbrochen oder korrigiert zu werden. Ein Erzählcafé ist genau so ein Ort. Ein Raum der Achtsamkeit, in dem Zuhören und Erzählen zu einem tiefen, verbindenden Erlebnis werden und zu einem wertvollen Element in der Beratung.

Was ein Erzählcafé ist und warum es so wohltuend wirkt
Ein Erzählcafé ist kein Vortrag, kein Diskussionsforum und keine Therapiegruppe. Es ist ein geschützter Rahmen, in dem Menschen ihre Erfahrungen, Erinnerungen oder Gedanken miteinander teilen können, ganz ohne Leistungsanspruch oder Zielvorgabe. Vielleicht sitzen Sie an einem großen Tisch, mit einer Tasse Tee in der Hand. Jemand beginnt zu erzählen, von einem Moment, einer Erinnerung, einem Gefühl. Die anderen hören zu: offen, präsent, ohne zu kommentieren.
Und plötzlich entsteht etwas, das im Alltag oft fehlt: Resonanz.
Das Gefühl, wirklich gehört zu werden.
Im Erzählcafé dürfen Geschichten fließen, Gedanken sich sortieren und Emotionen ihren Platz finden. Das Sprechen hilft, Erlebtes zu ordnen. Das Zuhören öffnet neue Perspektiven. Beides zusammen schafft Verbindung – zu sich selbst und zu anderen.
Erzählmomente – kleine Pausen für Herz und Verstand
Neben den großen Runden im Erzählcafé gibt es auch die Erzählmomente: kleine, bewusste Gesprächszeiten, die im Alltag oder in der Beratung genutzt werden können. Ein Erzählmoment kann mit einer einfachen Einladung beginnen:
„Erinnerst du dich …“
Schon wenige Minuten reichen, um innezuhalten und das eigene Erleben in Worte zu fassen. Das bewusste Erzählen stärkt das Selbstverständnis, entlastet emotional und hilft, Erfahrungen einzuordnen. Zuhören – wirkliches, aufmerksames Zuhören – ist dabei genauso bedeutsam. Es vermittelt Wertschätzung und fördert Empathie – zwei Grundlagen, die in jeder beratenden und zwischenmenschlichen Begegnung entscheidend sind.
Wie Erzählen deine Gedanken löst
Das gesprochene Wort kann etwas lösen, das in Gedanken oft feststeckt. Wenn Menschen erzählen, entsteht Klarheit. Zusammenhänge werden sichtbar, Gefühle werden benennbar, Erlebnisse greifbar. In der psychologischen Beratung unterstützt das Erzählen dabei, die eigene Geschichte neu zu betrachten. Nicht selten verändert sich der Blickwinkel, wenn Worte ausgesprochen werden. Was zuvor belastend oder unverständlich erschien, bekommt Form und Struktur und damit auch einen neuen Platz im Inneren. Das Erzählen ist damit mehr als ein Gespräch. Es ist ein Prozess der Selbstklärung, des Verstehens und – manchmal – des Loslassens.
Gemeinschaft und Resonanz – warum Zuhören zufriedener macht
Ein besonderer Wert des Erzählcafés liegt im Miteinander. Wenn Menschen ihre Geschichten teilen, entsteht Resonanz: Ein Lächeln, ein Nicken, ein „Das kenne ich auch“. In diesen Momenten fühlen wir uns gesehen und verbunden. Diese geteilte Erfahrung wirkt stärkend, besonders für Menschen, die sich im Alltag oft überfordert oder allein fühlen. Gleichzeitig bleibt das Erzählcafé ein sicherer Raum: Niemand muss etwas preisgeben, das zu persönlich ist. Jeder darf so viel erzählen, wie sich gut anfühlt. So entsteht eine Balance aus Offenheit und Schutz, aus Nähe und Respekt – eine Atmosphäre, die Vertrauen wachsen lässt.
Fünf gute Gründe, warum Erzählen gut tut
- Klarheit gewinnen: Durch Erzählen werden Gedanken greifbar.
- Gefühle ordnen: Worte helfen, Emotionen auszudrücken und zu verstehen.
- Verbindung erleben: Zuhören schafft Nähe – ohne Worte verändern zu müssen.
- Selbstwert stärken: Wer seine Geschichte erzählt, erkennt den eigenen Wert.
- Achtsamkeit fördern: Erzählen verlangsamt den Moment und lenkt den Blick nach innen.
Im Mittelpunkt steht nicht das perfekte Wort, sondern das echte Gespräch.
Einladung zum Erzählcafé – Raum für echte Begegnung
Vielleicht spüren Sie beim Lesen den Wunsch, einmal selbst zu erzählen oder einfach zuzuhören. In unserem Erzählcafé biete ich genau diesen Raum: einen geschützten Rahmen, in dem Worte entstehen dürfen langsam, ehrlich und wertfrei. Wir treffen uns in einer kleinen Gruppe, mit achtsamen Impulsen, Zeit für Gespräche und Raum für Stille. Es braucht keine Vorerfahrung, nur Offenheit und Neugier auf die Geschichten des Lebens.
Wenn Sie dabei sein möchten, finden Sie alle Informationen und Termine. Das nächste Erzählcafé findet am Januar 2026 um 16.00 – ca. 17.30 Uhr online via Zoom statt.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, sich eine kleine Auszeit zu gönnen: zuzuhören, zu erzählen und einfach Mensch zu sein.
Fazit: Erzählen als Brücke zwischen Innen und Außen
Erzählen verbindet uns mit uns selbst und miteinander. Im Erzählcafé darf das geschehen, was im Alltag oft zu kurz kommt: echtes Zuhören, ehrliches Mitteilen, stilles Verstehen. Es ist kein Ort für perfekte Worte, sondern für wahre Begegnung. Ein Ort, an dem Geschichten leise wirken und manchmal mehr bewegen, als wir denken.

