Muttersein: Wenn Verantwortung alles füllt und du selbst darin kaum noch vorkommst
Ich sitzte hier gerade im Cafe mit meiner Freundin. Am Nachbartisch sitzt eine deutlich gestresste Frau, unruhig. Sie blickt zu uns und wir kommen ins Gespräch, dann sagte sie einen Satz „Diese Verantwortung füllt alles, nur mich nicht“. Ich wusste sie ist damit nicht allein. Dieser Blogartikel ist für alle starken Mütter dadraußen. Du wachst auf… und bist eigentlich schon müde. Nicht diese offensichtliche Müdigkeit nach einer zu kurzen Nacht. Nicht dieses „Ich brauche dringend Kaffee“. Sondern eine tiefere, schwerere Erschöpfung, die sich schon meldet, bevor der Tag überhaupt begonnen hat. Dein Körper liegt noch im Bett, vielleicht ist es draußen still, vielleicht schläft der Rest der Familie noch. Und trotzdem ist dein Inneres längst wach. Gedanken tauchen auf, ungefragt, selbstverständlich: Wer muss heute wohin? Was steht an? Wo braucht es Aufmerksamkeit, damit nichts kippt? Was darf ich nicht vergessen? Müdigkeit dein treuer Begleiter Du merkst es vielleicht gar nicht bewusst, aber dein System ist bereits im Arbeitsmodus. Diese Art von Müdigkeit entsteht nicht über Nacht. Sie ist das Ergebnis von vielen Tagen, Wochen, Jahren, in denen du Verantwortung trägst. Still, zuverlässig, präsent. Verantwortung für Kinder, für Abläufe, für Stimmungen, für das große Ganze. Du bist diejenige, die den Überblick behält. Die vorausahnt. Die auffängt, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät. Und genau deshalb beginnt dein Tag nicht mit dem ersten Schritt aus dem Bett, sondern mit Denken. Es ist ein leises inneres Anspannen. Kein Stress im klassischen Sinn. Eher ein dauerhaftes Bereitstehen. Du bist da. Du funktionierst. Und vielleicht fragst du dich manchmal, warum du dich schon morgens so erschöpft fühlst, obwohl objektiv noch nichts passiert ist. Die Antwort liegt nicht darin, dass du zu wenig schläfst oder zu viel willst. Sie liegt darin, dass dein Inneres kaum noch echte Pausen kennt. Hier findest du noch mehr zum Thema Schlafprobleme bei Stress: Die 5+1 unterschätzten Konsequenzen. Was bedeutet das eigentlich „Verantwortung“? Wenn wir von Verantwortung sprechen, denken viele zuerst an Aufgaben. An Termine, Organisation, Verpflichtungen. Doch das, was dich im Muttersein heute wirklich fordert, geht weit darüber hinaus. Verantwortung ist nicht nur das Tun. Sie ist vor allem eine ständige innere Präsenz. Ein permanentes Mitdenken, Mitfühlen, Vorausspüren. Du weißt, welches Kind heute sensibler ist als sonst. Du merkst Spannungen, bevor sie ausgesprochen werden. Du hast im Blick, was morgen ansteht, während du heute noch mitten im Geschehen bist. Du trägst nicht nur Verantwortung für Abläufe, sondern für Zusammenhänge. Für emotionale Balance. Für das Funktionieren eines Systems, das ohne deine innere Präsenz deutlich instabiler wäre. Das passiert nicht, weil du kontrollieren willst. Sondern weil du kompetent bist. Weil du Verantwortung übernehmen kannst. Weil du gelernt hast, dass vieles leichter läuft, wenn du es im Blick behältst. Diese Fähigkeit ist eine Stärke. Eine, die oft unsichtbar bleibt. Und genau darin liegt ihr Preis. Denn mentale Präsenz kennt keinen klaren Anfang und kein Ende. Sie lässt sich nicht einfach ablegen wie eine Tasche an der Tür. Selbst wenn du sitzt, selbst wenn du offiziell Pause hast, ist ein Teil von dir wachsam. Hörend. Spürend. Bereit. Und irgendwann wird aus dieser Dauerpräsenz eine stille Erschöpfung, die sich nicht mehr eindeutig zuordnen lässt. Weil sie überall ist. Und nirgends. Warum ist dieses Thema heute für Mütter so wichtig? Vielleicht, weil sich Muttersein verändert hat. Nicht unbedingt nach außen – aber nach innen. Die Anforderungen sind komplexer geworden. Mehr Informationen. Mehr Erwartungen. Mehr Vergleich. Mehr Unsichtbares. Neben der Sorge für Kinder trägst du oft auch mentale Verantwortung für Familie, Beziehung, Organisation, manchmal zusätzlich für Beruf oder Selbstständigkeit. Vieles davon läuft parallel. Vieles davon läuft still. Viele Mütter sind heute hochkompetent. Reflektiert. Belastbar. Sie wissen viel. Sie können viel. Und genau deshalb geraten sie leicht in einen Zustand, in dem sie lange funktionieren, ohne sich selbst noch wirklich mitzunehmen. Nicht aus Unachtsamkeit. Sondern aus Verantwortungsgefühl. Und irgendwann taucht sie auf, diese Frage, die kaum Platz bekommt: Und wo bleibe eigentlich ich? Sie kommt nicht laut. Sie drängt sich nicht auf. Sie taucht eher beiläufig auf, zwischen zwei Momenten des Innehaltens. Vielleicht abends, wenn endlich Ruhe ist. Vielleicht morgens unter der Dusche. Und oft wird sie genauso schnell wieder zur Seite geschoben, wie sie gekommen ist. Nicht, weil sie unwichtig wäre. Sondern weil gerade etwas anderes wichtiger scheint. Ein Kind. Ein Termin. Ein Alltag, der weiterläuft. Du stellst dich zurück – nicht aus Selbstvergessenheit, sondern aus Verantwortung. Und genau das macht dieses Thema heute so relevant. Weil viele starke Mütter beginnen zu spüren, dass sie selbst in ihrem Leben kaum noch Raum haben. Nicht als Rolle. Nicht als Funktion. Sondern als Mensch. Stark sein und erschöpft sein – wie passt das zusammen? Das ist einer der Punkte, der viele innerlich verwirrt. Du bist nicht am Ende. Nicht instabil. Nicht überfordert im offensichtlichen Sinn. Im Gegenteil. Du meisterst deinen Alltag. Du triffst Entscheidungen. Du trägst Verantwortung. Du bist leistungsfähig, reflektiert, klar. Und trotzdem ist da diese Erschöpfung, die sich nicht wegorganisieren lässt. Sie verschwindet nicht nach einem freien Abend. Sie löst sich nicht durch Urlaub. Weil sie nicht aus zu viel Tun entsteht, sondern aus zu viel innerem Halten. Du hast lange funktioniert – und gut funktioniert. Dein System hat gelernt, stark zu sein, wach zu sein, präsent zu sein. Aber Stärke bedeutet nicht, unbegrenzt belastbar zu sein. Sie bedeutet oft nur, dass man sehr lange durchhält. Und irgendwann meldet sich etwas in dir, das leise sagt: So wie bisher fühlt es sich nicht mehr ganz stimmig an. Das ist kein Zusammenbruch. Kein Drama. Eher ein Signal. Ein Hinweis darauf, dass du dich selbst in all dem wieder mehr mitnehmen möchtest. Nicht, um weniger zu leisten. Sondern um dich wieder zu spüren, während du lebst. Hier findest du noch mehr zum Thema Selbstliebe im Alltag stärken: Mehr Selbstwert trotz innerem Kritiker. Welche Rolle wird dieses Thema in Zukunft spielen? Ich bin überzeugt: Dieses Gefühl, das viele Mütter heute beschreiben, wird in den kommenden Jahren noch sichtbarer werden. Nicht, weil Mütter schwächer werden. Sondern weil sie bewusster werden. Weil sie beginnen, die inneren Kosten von Dauerverantwortung ernst zu
Muttersein: Wenn Verantwortung alles füllt und du selbst darin kaum noch vorkommst Weiterlesen »









